Predigt vom 25.04.2010 von Kirchenpräsident Dr. Volker Jung
Predigt im Eröffnungsgottesdienst der 4. Hessischen Landesgartenschau
am Sonntag, den 25. April 2010, 12 Uhr in Bad Nauheim
von Kirchenpräsident Dr. Volker Jung
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen!
Liebe Gemeinde,
ich möchte eine Geschichte erzählen: vom Licht und vom Garten und vom Menschen und von Gott. Es ist eine alte Geschichte. Und sie ist noch nicht zuende.
Die Geschichte geht so:
Am Anfang war eine große Dunkelheit. Eigentlich war nichts. In die Dunkelheit hinein sprach Gott: „Es werde Licht! Und es ward Licht.“ Und mit dem Licht schuf Gott die Welt. Und die Welt wurde wie ein Garten – ein wunderschöner Garten: mit Erde und Wasser. Mit Gräsern und Sträuchern. Mit Blumen und Bäumen. Und in diesen Garten hinein setzte Gott die Tiere und den Menschen.
Die Bibel erzählt den Anfang der Geschichte noch viel ausführlicher. Wir wissen längst: Was da erzählt wird, ist kein naturwissenschaftlicher Bericht über die Entstehung der Welt. Es ist ein großes Bekenntnis des Glaubens. Und es ist damit ein großer Dank an Gott, den Schöpfer, und ein großes Lob des Schöpfers. Die Menschen, die diese Geschichte erzählten, die haben gesagt: Was ist diese Welt für ein großes Wunder! Wie wunderbar ist diese Welt! Macht die Augen auf! Schaut hinein in den Garten des Lebens! Seht das satte Grün des Grases und der Bäume und die Farben der Blumen! Seht das Wunder des Lebens – die Tiere im Wasser und auf der Erde, die kleinen und die großen! Spüre das Wunder des Lebens! Schau dich an und den Menschen neben dir! Es ist nicht selbstverständlich, dass alles so ist! Es ist auch kein Zufall! Gott, der Schöpfer, hat es so gewollt und hat es euch geschenkt! Er wollte nicht die Dunkelheit und das Nichts. Er hat das Licht gemacht und mit dem Licht das Leben!
Die Menschen, die diese Geschichte zuerst erzählt haben, haben genauso wie wir gespürt: Wir brauchen das Licht! Ohne Licht kein Leben! Wie wunderbar waren die ersten Frühlingstage, die hellen und warmen Tage nach dem langen und harten Winter! Wie schön ist es, wenn die Natur erwacht! Das weckt auch unsere Lebensgeister.
Die alte biblische Geschichte sagt aber noch mehr: Die Welt, der Garten Gottes, ist so schön. Sie könnte ein Paradies sein. Aber sie ist es nicht.
Die Menschheit lebt in einem wunderschönen Garten. Aber der Garten ist kein Paradies mehr. Es gelingt den Menschen nicht, friedlich in dieser Welt zu leben. Es gelingt den Menschen nicht, was Gott schenkt, gut und gerecht zu verteilen. Tief im Menschen ist die Angst, es könnte nicht genug da sein. Er könnte zu kurz kommen. Das ist wie Gift. Es bringt Hass und Streit und den Tod. Man kann es auch anders sagen: Das macht das Leben dunkel.
Gewiss: es gibt den normalen Wechsel zwischen hell und dunkel. Es gibt einen Rhythmus des Lebens mit Tag und Nacht. Aber es gibt auch eine Dunkelheit, die das Leben zerstört. Es gibt die Dunkelheit, die Menschen selbst einander bereiten – weil es ihnen nicht gelingt, im Frieden zu leben – im Frieden miteinander und im Frieden mit Gott ihrem Schöpfer.
Die alte Geschichte der Bibel erzählt dies in der Geschichte von Adam und Eva. Vom Baum des Lebens im Paradies. Von der Schlange. Und vom Misstrauen gegenüber Gott. Sie erzählt, dass die Menschen damit etwas Ursprüngliches verloren haben. Bald geht es dann so weiter, dass Kain seinen Bruder Abel erschlägt. Weil er findet, dass er gegenüber seinem Bruder zu kurz kommt.
Warum wurde das erzählt?
Mit diesen Geschichten wird erzählt: Das Paradies, der Garten des Anfangs, ist verloren! Aber die Welt hat nicht aufgehört, Gottes Welt zu sein. Die Welt hat nicht aufgehört, schön zu sein. Gott hat die Welt nicht zurück ins Dunkel fallen lassen. Und im Menschen ist so etwas geblieben, wie eine Sehnsucht nach dem Paradies, nach dem Leben, nach dem Licht!
Es lohnt sich wirklich sehr, darüber nachzudenken, wo diese Sehnsucht zu spüren ist. Ein Garten zum Beispiel ist dafür ein guter Ort. Warum haben Menschen zu allen Zeiten Gärten angelegt?
Ich denke: Weil es diese Sehnsucht gibt! Die Sehnsucht nach einem schönen Ort. Nach einem Ort, wo es wächst, wo Gottes Schöpferkraft zu sehen und zu riechen ist. Die Sehnsucht nach einem Ort des Lichtes und der Farben und des Friedens. Ich denke, dass viele Menschen mit irgendeiner Form dieser Sehnsucht im Herzen in den nächsten Monaten auch hierher kommen werden. Wir sind deshalb als evangelische Kirchen auch sehr bewusst hierher gekommen: in den großen Garten der Landesgartenschau. Und wir sind mit einer Kirche hierher gekommen. Wir haben eine Kirche in den Garten gestellt, damit Menschen die Sehnsucht neu entdecken können – die Sehnsucht nach Licht und Leben und nach dem Frieden in Gottes Garten!
Aber das ist nicht alles. Es gibt noch einen weiteren Grund. Es gibt noch einen weiteren Grund, weil die Geschichte Gottes mit den Menschen noch weitergegangen ist und weitergeht.
Wer die Geschichte Gottes mit den Menschen in der Bibel weiter liest, wird dort auch auf Jesus von Nazareth stoßen. Er ist deshalb so besonders, weil er den Faden vom Anfang wieder aufnimmt. Vom Anfang, wo von der großen Dunkelheit die Rede war, und vom Licht, das Gott schuf. Über ihn wird erzählt, dass er in der Dunkelheit der Nacht geboren ist. Und das plötzlich, mitten in der Nacht, der Himmel hell erleuchtet war. Und es wird über ihn gesagt: „Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen, und denen, die saßen am Ort und im Schatten des Todes ist ein Licht aufgegangen.“ (Mt 4,16) Und er selbst hat einmal gesagt: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8,12)
Es wird erzählt: In diesem Menschen ist das Licht Gottes auf eine ganz besondere Weise in diese Welt gekommen. Es ist gekommen in einem Menschen, damit die Dunkelheit nicht das Leben zerstört. Damit die Menschen die Kraft finden, dem zu widerstehen, was das Leben kaputt macht. Damit Menschen sich nicht zerfressen lassen von Hass und Neid und Gewalt. Mehr noch: damit der Tod seine Macht verliert und Menschen Kraft finden, sich dem Gott des Lichts und des Lebens anzuvertrauen.
Es ist kein Zufall, dass Jesus in einem Garten betet und in einem Garten verhaftet wird. Das gehört zu dieser großen Geschichte vom Licht, vom Garten, von den Menschen und von Gott. Es ist kein Zufall. Er wird verhaftet. Er wird sterben. Er wird auferstehen. Und damit wird erzählt: Das Paradies bleibt nicht auf ewig verloren. Gottes Licht ist stärker als jede Dunkelheit.
Und es ist wird zugleich verkündigt: Nehmt dieses Licht in euch auf! Nehmt es auf in euer Leben! Es erfüllt euch! Gebt es weiter. Hier an die Menschen in der Landesgartenschau, die voller Neugier und Sehnsucht her kommen. Zuhause in euren Familien, in der Nachbarschaft. Und wo immer ihr es leuchten lassen könnt. Es tut euch gut und den Menschen in dieser Welt!
Wer über dieses Licht der Welt nachsinnen und nachdenken will, dem bieten wir hier einen Ort an Wir laden hier in dieser Kirche Menschen ein, über sich nachzudenken: über ihr Leben, über den Garten dieser Welt, über das, was das Leben dunkel macht und über das, was das Leben hell und schön macht. Wir laden sie ein, ihren Blick auf Gottes Garten und sein Licht zu richten. Wir laden sie ein, darauf zu vertrauen, dass Jesus sein Licht weitergegeben hat und weitergibt. Wir laden ein, seine Worte neu zu hören. Er hat den Menschen zugerufen: „Ihr seid das Licht der Welt!“
Und der Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen
Die Prinzen kommen wieder! am 5. September 2012 - Achtung: jetzt um 19 Uhr - in der Dankeskirche. Mit der Bad Nauheimer Vorband "Die Neuen Freunde". Es sind noch Karten verfügbar! » lesen