Am Samstag, 17. April 2010, wurde in der Dankeskirche die Ausstellung des Bildhauers Georg Hüter eröffnet. In dem lichtdurchfluteten Kirchenraum, konnte eine ansehnliche Besucherzahl von 50 Personen an der Ausstellungseröffnung teilhaben. Kantor Frank Scheffler stimmte mit der impulisven Orgelmusik von Felix Mendelssohn-Bartholdy, einem Allegretto aus der Sonate B-Dur auf die Ausstellung ein. Kirchenvorstandsmitglied Thomas Völker eröffnete die Ausstellung, Pfarrerin Barbara Wilhelmi gab einen geistliche Impuls und der Marburger Kunsthistoriker Dr. Michael Herrmann ging auf den Künstler und die ausgestellten Werke ein. Unübersehbar teilen die drei Basaltskulpturen innerhalb der Kirche den Raum neu. Beim Betreten des Kirchenschiffes richtet sich der Blick zum Altar, nun wird er massiv von dem ersten Basaltblock aufgehalten. Da er sich dem Besucher in den Weg stellt, kommen unweigerlich die hinterfragenden Blicke zu den zwei weiteren Basaltblöcken rechts und links vor dem Altarraum. Können sie eine Antwort geben? Sie stehen dort mannshoch, unübersehbar, ursprünglich und gewaltig.
Der Kunst- und Kirche-Ausschuss der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Nauheim hat den Bildhauer Georg Hüter mit Bedacht ausgewählt, diese Ausstellung zu gestalten. Bevorzugtes Material von Georg Hüter ist der Basalt. Eben jenes Material, aus dem auch die Dankeskirche gebaut wurde. Nach einem Besuch bei dem Künstler im Spessart stand der Entschluss fest, dass dieser Künstler und sein Material durch eine Ausstellung in der Kirche einen wichtigen neuen Impuls für die Gläubigen und die Besucher der Kirche geben werden.
Die drei Basaltblöcke im Innern der Kirche stellen die drei Kreuzesnägel Christi dar. Hüter platziert seine Steine an die Stelle des Kreuzes, an dem sich die vorgestellten Kreuzesnägel befänden und erinnert damit daran, dass das Kreuz täglich erneuert wird. Die Gemeinde sitzt somit inmitten der Passion der Kreuzigung. Dies ist der vom Künstler gegebene theoretische Hintergrund. Ein weiterer Bezug zur christlichen Theologie ergibt sich mit dem Gedanken an die heilige Dreifaltigkeit, Gottvater, Sohn und Heiliger Geist, dargestellt durch die drei Steine in der Dankeskirche.
Der Betrachter - und an dieser Stelle sind alle Nauheimer und Besucher der Kurstadt eingeladen, sich darauf einzulassen – kann den Kirchenraum neu erfassen. Die Basaltblöcke intensivieren den Eindruck des Kreuzes. Die geschliffenen Flächen des Basaltes geben sein Inneres preis. Beim Umschreiten der Basaltblöcke entstehen je nach Blickwinkel Materialkompositionen mit dem Marmor, den Wänden und den Kirchenfenstern. Der gewachsene Stein, der mit seinem vulkanischen Ursprung einstmals flüssig war, steht respekteinflößend vor uns. Die hellgrünen Flechten lassen ihn lebendig erscheinen, und der meisterhafte Umgang des Bildhauers Georg Hüter mit dem Material zeigt sich in der bewusst gesetzten Ausstrahlung und dem Spiel von Schwere und Härte des Steines. Hervorragend erleben wir dieses Balancespiel bei der Betrachtung der Skulptur im Nordeingang der Kirche, also außerhalb des Kirchenraumes. Hier ist ein weiteres christliches Symbol zu erahnen, die geschliffene Fläche kann als ein Fisch gesehen werden. Wie der Kunsthistoriker Dr. Michael Herrmann ausführte, erleben wir diese Skulptur in ihrer Einfachheit der Formensprache, der Senkrechten und der Waagerechten. Spannung entsteht aus dem nicht mittig aufgesetzten oberen Block, ihrer Beziehung zueinander, die die Basaltblöcke zu einer Skulptur werden lassen und von den elementaren Dingen in der Bildhauerei erzählen.
Dr. Michael Herrmann sprach ebenso von dem Werdegang Georg Hüters. Ein Leben, ganz dem Stein verschrieben: Er absolvierte eine Steinmetzlehre im väterlichen Betrieb. Nach der Meisterprüfung geht er den Weg des freien Bildhauers und studierte an der Frankfurter Städelschule. Er übernahm verschiedene Lehraufträge an Hochschulen und unterrichtet nun neben seiner bildhauerischen Tätigkeit an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.
Die vier Exponate haben die Besucher noch weit über eine Stunde in ihrem Bann gehalten. Georg Hüter erklärte im Anschluss an die Ausstellungseröffnung in freundlicher, ruhiger Art seine Sicht- und Arbeitsweise und konnte Verständnis für seine Arbeit auch bei den skeptischen Zuhörern erwirken. Die Evangelische Kirchengemeinde Bad Nauheim hofft mit dieser Ausstellung viel bewegen zu können, zum Denken anzuregen und neue Blicke zu eröffnen.